Als Neuling im polnischen Gefängnis

Robert Punzenberger

Geschäftsführung FIX Gebäudesicherheit & Service GmbH

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Heute zu Gast bei erLEUCHTEnd erzählt

Mein Name ist Robert Punzenberger, ich bin seit sieben Jahren Geschäftsführer der Firma FIX Gebäudesicherheit und -service. Wir beschäftigen uns mit Facility Management und Facility Services. Ich sage immer, wir sind dort zuhause, wo es sich um die Immobilie und um Strom und Wasser dreht. Das servicieren, reparieren und warten.

Was ist Ihre Story?

Ich bin eigentlich, ganz klassisch, in die Volksschule und Hauptschule gegangen. Nach der Hauptschule habe ich dann gesagt: „Ich mag nicht mehr in die Schule gehen.“ Ich hatte den Vorteil, am Anfang eher ein Nachteil, die Vorschule besuchen zu müssen und daher wurde mir das letzte Schuljahr für den polytechnischen Lehrgang angerechnet. Das habe ich, Gott sei Dank, nicht mehr machen müssen und habe dann gleich eine Lehrstelle gesucht. Und da war auch schon meine erste Aktion. Ich war bei einer Firma schnuppern, habe mich dort auch beworben, und habe dann die Möglichkeit bekommen mich vorzustellen. Das weiß ich heute noch: Ich bin mit meiner Mama zur Firma gegangen, habe mich beworben und habe den Job gleich bekommen. Beim Rausgehen sagt sie dann: „Jetzt musst du die anderen Bewerbungen absagen.“ Ich habe dann gesagt: „Ich habe keine anderen geschrieben, ich habe mich nur hier beworben.“ Sie hätte mir damals beim Industriezentrum fast eine runtergehaut. Dann hat sie gesagt: „Du hast ja wirklich ein Glück!!“

Dort habe ich dann eigentlich die Lehre begonnen. Das war die Firma Hainzl Industriesysteme  die einmal ein aufstrebendes Unternehmen, auch heute noch, in Linz ist. Ich habe dort Elektroinstallateur gelernt, also ganz klassisch Haus Elektroinstallationen, und bin dann relativ rasch nach Wien gekommen und habe dort Wohnbauten installiert. Das war natürlich ein riesen Erlebnis für einen jungen Burschen, in der großen Stadt von Montag bis Donnerstag zu arbeiten und Freitag wieder zurück zu fahren. Dort waren immer viele Leute und es gab große Projekte und immer eine interessante Aufgabe. Das war auch immer spannend, weil ich in allen Bereichen schnuppern durfte. Egal, ob das jetzt im Stahlbau war, in einem Lager, oder in der Intertechnik. Ich habe einmal Panzer verkabelt und Abschussrampen testen dürfen; also Panzer quasi simuliert und mit echten getestet. Das waren also spannende Erlebnisse in diesem Unternehmen.

Ich war dann relativ rasch in dem Beruf, wo ich jetzt bin: im After-Sale, also in der Nachbetreuung von Immobilien. Ich habe dann nach acht Jahren gekündigt. Dann habe ich in der Firma Sauter Mess- und Regeltechnik, Gebäudeleittechnik gewechselt. Da hat mich ein Freund reingebracht. Ich habe damals von Computern noch keine Ahnung gehabt, das war ca. 1998, 1999, als das Internet mit Modems so richtig populär geworden ist. Und bin, sozusagen, blauäugig in die Firma gekommen. Der Chef hat damals gesagt: „Du fängst bei uns an und machst 2400 und 3600.” Ich habe gar nicht gewusst wovon er redet. Ich bin dort eingestiegen und war bei SKF in Steyr und habe dann die Inbetriebnahme gemacht. Ich habe die Hardware gecheckt, was ich ja als Elektriker gelernt habe. Das waren die Brandschutzklappen, die Beleuchtung, die wir ein- und ausgeschalten haben usw.  Nach sechs Tagen ruft der Chef an und sagt: „Wir brauchen dringend jemanden in Polen, denn wir haben ein Projekt dort.“ Die Wiener wollten das nicht machen. „Sie müssen nach Polen“, hat er gesagt. Das war damals Herr Herrenberger und zu ihm habe ich gesagt: „Ich kann das nicht, was erwarten Sie sich von mir?“ Da sagte er: „Nein, nein, Sie müssen nur schauen was elektrisch ist, was sie eh können, das müssen Sie richten.“ Ich bin dann nach sechs Tagen im Flieger gesessen, Richtung Polen. Ursprünglich hat er gesagt, dass es drei Wochen sein werden, aber drei Monate sind es geworden, inklusive Hefen sitzen, also im Gefängnis. Dort waren wir auch noch. Das war ein acht- oder neunstöckiges Kino mit Büro und sieben Tiefgaragen und unter der Erde waren Untergeschosse. Also das war ein dreimonatiger, harter Kampf und als ich dann wieder nach Österreich in die Firma zurück gekommen bin hat mich eigentlich keiner gekannt. Ich war quasi der Neue, der sechs Tage in Polen war und erst dann habe ich dort richtig gestartet. Und das war das Erlebnis im Ausland. Das war im Jahr 2000 oder 1999. Polen war da noch ein anderes Pflaster, da hat man wirklich noch aufpassen müssen. Das waren aber auch prägende Erlebnisse, auch die Erkenntnis, wie gut es uns in Österreich geht, beispielweise. Und welche Gesetze dort noch geherrscht haben.

Ich war 14 Jahre bei Sauter Mess- und Regeltechnik. Als ich nach Wien gegangen bin, habe ich dort in der Zentrale gearbeitet. Dort habe ich auch österreichweit im Service gearbeitet. Aber ich habe mich auch mit meinem Kernbereich beschäftigt, dem After-Sales, und bin dort auch mehr in Richtung Facilitymanagement gegangen. Wir haben dort auch das Einkaufszentrum  Donauzentrum betreut, das ist ein riesiges Einkaufszentrum. Das waren schon tolle Sachen. Ich habe dann dort auch, ich sag es ganz salopp, alles machen dürfen was Kopf und Boden hatte. Also man hat mich ertragen, man hat mich aber auch mitgetragen, das war also eine ganz eine tolle Geschichte. Vor 7 Jahren bin ich dann unter Peneder in die Unternehmensgruppe gekommen, wie ich schon erwähnt habe. Dort, naja, das war schon mein Grund, habe ich die Eigenimmobilien betreut. Ich habe damals für die FIX Geschäftsführung etwas gesucht und so sind wir zusammengekommen. FIX war am Anfang irrsinnig finanziell und geschäftstechnisch am Boden. Sehr viele Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen und sich selbständig gemacht. Die ersten zwei Jahre waren schon sehr hart. Ich habe gedacht … also ich habe die alte Abfertigung gehabt und habe nach 14 Jahren gekündigt. Ich habe mir gedacht: „Warum habe ich mir das angetan?“, aber nach dem dritten, vierten, fünften, sechsten und siebenten Jahr… also wir waren nach dem dritten Jahr positiv und haben die Leute auf 19 aufgestockt, jetzt sind wir 70 Leute, und sind eigentlich guter Dinge. Wir haben auch die Corona-Zeit überstanden.

Über die ganze Laufbahn war ich immer geerdet und bin alles bodenständig angegangen und das versuche ich auch meinen Mitarbeitern zu vermitteln. Ich verlange keine Wunder, denn wir müssen nicht zum Mond fliegen. Was man zu Hause umsetzen kann, das kann man in der Firma auch umsetzen. Man bekommt die Unterstützung und die Ausbildung dazu. Also das fördert und fordert man von Mitarbeitern auch sehr stark. Ich sage immer: “Geht net, gibt’s net”, oder „Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben“. Da lachen sie immer, wenn ich das so sage. Ich ziehe auch mal das Sakko aus und greife auch einmal selbst hin. Wir gehen sehr auf Handschlagqualität und mit Hausverstand an die Dinge heran. Wir beachten auch, dass wir das Soziale fördern und uns immer auf Augenhöhe begegnen, damit die sozialen Aspekte passen. Ich bin jetzt schon fast die letzten 20 Jahre in einer Führungsposition. Man muss mit den Leuten auch immer Schulter an Schulter mitgehen. Ich habe auch ein bisschen einen anderen Führungsstil als die anderen, was viele auch kritisieren. Ich kenne viele Firmenbosse und Lehrlinge und die Leute sind die Leute, ich hebe mich von ihnen ab. Ich bin immer mittendrin im Geschäft, mache selbst noch sehr viel im Vertrieb und das spüren die Leute auch. Ich kann nur jeden den Rat geben, der so ist wie ich ist… so, wie ich jetzt dasitze, bin ich nur Elektriker. Ich habe ja sonst nichts gelernt. Und bei Vorträgen glauben das die Leute oft nicht. Sie fragen, welche Ausbildung ich habe, einen Ingenieurtitel oder ein Studium. Dann sage ich: „Ich habe nichts, ich habe eine Lehrabschlussprüfung und habe ein paar zusätzliche Kurse gemacht bei irgendwelchen Lieferanten und that’s it.“ Und ich sitze heute da, als Elektriker und zu dem stehe ich auch. Wer sich reinhaut, wer durchbeißt und nicht zu allem nein sagt… das ist heute so eine Krankheit oder eine Eigenschaft, Krankheit ist der falsche Ausdruck… Aber wer durchbeißt, wer will und vielleicht auch Sachen macht, die ihm nicht so gefallen, aber trotzdem durchsteht, der kann es auch zu etwas bringen. Ich bin beinhart das klassische Beispiel mit der Karriere zur Lehre. Das Einzige, was mir fehlt sind die Fremdsprachen. Die haben mich nie wirklich interessiert, überhaupt Englisch. Und da ich für mein Business nie Englisch gebraucht habe, tue ich mir in gewissen Welten und Sphären schon schwer. Aber das ist so, da kommt man durch. Im Notfall gibt es Google Translate, den man bei E-Mails auch nutzen kann und man kommt durch. Zur Not helfen dann Gestik und Mimik. Da geht auch einiges. Das ist meine Geschichte, die ich mitgeben möchte.

Wer hat Sie erleuchtet?

Besonders inspirierend auf meinen Weg nach oben waren immer, in der Ausbildungszeit, Vorgesetzte, die mich nicht immer mit Samthandschuhen angefasst haben und mich, mehr oder weniger, gefordert und gefördert. Aber eigentlich auch Kollegen, mit denen ich damals die Ausbildung gemacht habe und mit denen man gemeinsam Schulter an Schulter hochgegangen ist. Es waren aber auch Kunden, die uns inspiriert haben, die auch gute Ideen gehabt haben in gewissen Dienstleistungen. Sie waren unsere Wegbegleiter, sind es auch heute noch. Meine Philosophie ist, dass ich mir nie die Tür ganz zu ziehe, egal mit wem ich streite, oder wenn es mal Diskussionen gibt, oder wenn man mal einen Mitarbeiter kündigen muss, warum auch immer. Man muss immer so weit offenbleiben, dass man ihnen noch auf der Straße begegnen kann sie einen begrüßen und sagen: „Hey wie gehts?“. Und das sind eigentlich die Personen, die man rund um sich schürt. Sie haben mich eigentlich groß gemacht und haben mich auf dem Weg begleitet. Natürlich waren ein paar Vereine dabei, wo ich tätig war z.B. die Landjugend oder ein Sportverein. Dort oder von Freunden und Mitarbeitern, die einen Job gebraucht haben, hat man sich auch Inputs geholt. Ganz unterschiedliche Themen. Und das ganze Umfeld, in welchem ich aufgewachsen bin war auch sehr familiär und geerdet. Man hat mich eigentlich dort hingebracht, wo ich heute stehe.

Was gefällt Ihnen an erLEUCHTEnd erzählt?

Ich habe mir die Einladung, oder den Aufruf, durchgelesen und ich dachte mir, es ist genau das was mich identifiziert, so will ich wahrgenommen werden. Hier hat man die Möglichkeit, etwas an den Markt an Mitarbeiter, vielleicht zukünftige Mitarbeiter, aber auch vielleicht an die Kollegen oder anderen Unternehmen zu transportieren, wie man heute so ticken muss als Unternehmen. Es ist nicht mehr so, dass die Firma oder der Boss ein „Hau drauf“-Chef ist. Die Bewerber bewerben sich auch nicht mehr, sie wollen umworben werden. Wir müssen die Mitarbeiter umwerben, um sie zu bekommen. Die Zeiten haben sich einfach geändert und das wollen wir den Mitarbeitern kommunizieren und dann bekommt man auch ganz andere Bewerber. Das ist für mich der Hauptpunkt. Die Idee hat mich davon überzeugt, wie das kommuniziert wird. Und dass man da auch etwas bewegt.

Warum haben Sie sich für diese Lampe entschieden?

Warum habe ich mir diese Lampe ausgesucht? Sie ist ein bisschen retro und ich würde mal sagen, dass alles was neu ist zwar klasse ist (und ich bin auch nicht einer der am Trend der Zeit vorbei geht, also ich schaue mir auch die Features von heutzutage an), aber das Alte ist auch nicht immer schlecht. Ich sage immer, die gute Mischung macht es aus. Siehe das Beispiel Digitalisierung: Wir nehmen uns raus, was wir brauchen und das andere lassen wir links liegen, ich sag es ganz salopp. Wenn man da eine gute Mischung zusammen bekommt mit alt und neu – ob das jetzt Dienstleistungen, Produkten, Apps oder Geräten oder auch Menschen sind – dann macht es das alles lebenswert und einfacher.

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