“Zu Besuch in Jelzins Haus”

Martin Neubauer

Institutsleiter WIFI und Talent Centers Steiermark

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Heute zu Gast bei erLEUCHTEnd erzählt

Mein Name ist Martin Neubauer und ich leite in der Wirtschaftskammer Steiermark das Wifi, das Wirtschaftsförderungsinstitut und das Talent Center, wo wir junge Menschen zwischen 13 und 15 Jahren auf ihre Jobmöglichkeiten vorbereiten.

Was ist Ihre Story?

Meine Story geht weit zurück, denn meine Story beginnt in einer Zeit, die viele vielleicht nicht mehr kennen, und zwar beginnt sie 1986. 1986 war ich ein junger Mann, ein Bursche mit 14 Jahren, der in die 5. Klasse Mittelschule ging und vor der Wahl stand eine neue Sprache zu lernen. Ich hatte seit der ersten Klasse Mittelschule Französisch gelernt und ab der 3. Klasse Latein, also kein Englisch. Wir hatten also die Möglichkeit Englisch oder Russisch zu wählen. 1986 muss man sich vorstellen, war eine Zeit, wo es noch kein Russland gab, sondern es gab ein Land, welches sich Sowjet-Union nannte. Das hat ein Präsident sogar einmal „die Axt des Bösen“ genannt. Es war eigentlich nur ein sehr weißer Fleck auf der Landkarte, aber der Fleck war sehr groß. Und meine Eltern haben zu mir damals gesagt, als ich ihnen erzählt habe, dass wir in der Schule die Möglichkeit bekamen Russisch als Pflichtfach zu lernen: „Ob du das willst? Dort kommst du eh nie hin!“ Weil Russland war der „Eiserne Vorhang“, also ganz, ganz weit weg und das würde ich quasi nie brauchen. „Aber weißt du was, lern es, denn es ist schwierig. Englisch kannst du immer lernen.“ Das mutet heute vom Kontext von 2020 eigenartig an, weil ohne Englisch kann man defacto keinen Computer einschalten. Aber mir erschien es damals logisch. Außerdem dachte ich mir, okay diese Sprache lernen sicher weniger Menschen, da kann man also nicht so leicht durchfliegen. Denn dann wird das Fach vielleicht nächstes Jahr gar nicht mehr angeboten. Es war eine Mischung aus optimieren und auch Interesse.

Es war eine sehr spannende Zeit damals, denn es war die Zeit als ein Mann namens Gorbatschow an die Macht kam. Der auf einmal ein anderes Bild der Sowjet-Union lieferte. Er war eigentlich nur sehr wenige Jahre an der Macht, in der Summe waren es 6 Jahre. Mit ihm hochgekommen ist auch ein anderer Mensch, nämlich Boris Jelzin. Er war damals Bürgermeister von Moskau und wurde dann zum Konkurrenten vom Gorbatschow. Er hat ihn, glaube ich, 1991 abgelöst und wurde dann der erste Präsident Russlands. Das wusste ich 1986 natürlich nicht, aber ich dachte mir, dass das spannend ist. Also Gorbatschow und dann gab es noch die Worte Perestroika und Glasnost. Hat spannend geklungen, deshalb dachte ich mir, diese Sprache lerne ich wirklich und habe sie dann auch gelernt. Ich habe dann tatsächlich auch in Russisch maturiert, weil ich dachte, dass versteht eh keiner bei der Matura. Nur dann hatte ich, wie viele andere AHS-Absolventen, das Problem, dass ich nicht wusste, was ich studieren konnte bzw. sollte. Also dachte ich mir, Russisch kann ich so einigermaßen und die Wahrscheinlichkeit, dass beim Russischstudium viele bei der Sprache bei null beginnen, ist hoch. Also würde ich einen Vorteil haben. Daher inskribierte ich in das Russischstudium und studierte dann 2-3 Semester lang. Dann bekam ich die Möglichkeit ein Auslandssemester in Russland zu machen, also ein Auslandsjahr.

Das war in Moskau 1992 in Februar. Man muss sich vorstellen, 1991 gab es Panzer vor dem sogenannten weißen Haus in Moskau. Das war eine relativ umtriebige Zeit.  Die 15 Republiken lösten sich auf und bildeten eigene Länder. Ich war dort mit einem Studentenvisum und konnte quer durch das Land reisen. Ich habe viel gesehen, viele Dinge, die man wahrscheinlich nicht sehen will, denn die Armut, die damals herrschte, war unglaublich. Das war der Zusammenbruch, der Kollaps einer Weltmacht, wo Menschen auf einmal vor einer Armut standen, die das Herz zerreißt.  Ich war damals knappe 20 Jahre alt, aber das zu sehen, war grausam. Das hat bei mir eine Änderung meiner Wahrnehmung bewirkt. Wo ich dann gesagt habe, okay, wenn du eine Sprache lernst, ist das gut und sicher notwendig. Aber um beruflich erfolgreich zu sein und um etwas bewirken zu können, wird es nicht reichen. Daher habe ich dann beschlossen Betriebswirtschaft zu studieren. Ich habe dann BWL studiert, was mir eigentlich auch Spaß gemacht hat. Und dann habe ich angefangen zu arbeiten. So zogen einige Jahre ins Land und das Arbeiten hat mir Spaß gemacht, ich hatte dann sogar Mal die Möglichkeit in Russland zu arbeiten. Über 1-2 Kontakte wurde das in die Wege geleitet. Dann schrieben wir plötzlich das Jahr 2008. Wenn ich jetzt zurückrechne, dann liegen zwischen 1992 und 2008 genau 16 Jahre. Ich war 16 Jahre später wieder in Russland. In einer anderen Umgebung, als Angestellter einer Firma und befand mich plötzlich in dieser Umgebung, wo ich mich zwar geografisch ausgekannte, aber in diesen 16 vergangenen Jahren, hatte sich das Land einfach umgedreht. Ich arbeitete dann in einer Umgebung, wo es einfach viele wohlhabende Menschen gab.

Und eines Tages hatte ich dann einen Termin, wo mir gesagt wurde: „Komm mit! Du wirst nicht viel zu reden haben, aber wir nehmen dich mit.“ Also bin ich mitgefahren. Wir sind dann vor einem Haus ausgestiegen, es war recht nobel. In Russland nennt man das ein „Datscha“, also ein Wochenendhaus. Für uns war es eine Villa. Man geht dort rein und das Erste, was ich sah, war ein riesengroßes Bild von Jelzin. Das war 2008, wie gesagt. Er war 2007 gestorben und war der erste Präsident Russlands gewesen. Ich dachte mir nur, Boom, wo bin ich da gelandet? Ich wusste es nicht. Dann kam eine nette ältere Dame auf mich zu und sagte auf Russisch zu mir: „Grüß Gott!“. Ich sagte auch Grüß Gott und irgendwo in meinen Hinterkopf ratterten die Zahnräder, denn ich dachte mir, dass ich die Frau kannte. Es stellte sich dann heraus, dass es die Witwe von Boris Jelzin war. Und was sich Weiteres herausstellte, war, dass ich mich in dem Moment im Hause der Familie Jelzin befand. Weil ich von dem Arbeitgeber, wo ich angestellt war, die Verbindungen ergeben hatten. Für mich war dieser Augenblick, und das weiß ich wirklich noch so genau, als ob es gestern gewesen wäre, ein Zusammenkommen von so vielen irrsinnigen Dingen, die ich mir eigentlich nie gedacht hätte. Ich habe wie gesagt 1986 eine Sprache angefangen zu lernen, weil ich mir dachte, okay, russisch lernen nicht so viele und das ist spannend. Dann studierte ich im Jahr 1992 eben in Russland und aufgrund des Studiums, eigentlich aufgrund der Entscheidung, die ein 15-jähriger Bub getroffen hatte, die mit einer rationalen Entscheidung genau gar nichts zu tun hatte, denn sie war eher emotional („ Ich will noch cool und lässig sein, aber nicht wirklich, denn ich möchte auch einmal Karriere machen“) – eben so, wie man mit 15 Jahren halt denkt.

Mit Mitte dreißig bin ich dann auf folgendes draufgekommen: Eine einzige kleine Entscheidung, die man aufgrund seiner Emotionen trifft, kann dein ganzes Leben bestimmen.

Wer hat Sie erleuchtet?

Ich glaube nicht, dass ich ganz oben bin. Ich glaube, ich bin Teil eines Teams. Und dass ich diese Rolle in diesem Team spielen darf, in dem ich bin. Es gibt ein paar Personen, die mir da viel mitgeben haben. Der Erste heißt Gerhard Apfelthaler, er war damals an der FH Joanneum und heute ist er an der Californa Lutheran University. Er war Studiengangsleiter im Bereich Internationales Management und ich durfte dort das Forschungszentrum leiten. Er hat mir damals irrsinnig viel mitgegeben, gerade zum Thema wie geht man mit Menschen. Und er hat mir gezeigt, dass laut werden, schreien oder jemanden niedermachen genau gar nichts bringt. Sondern dass es eigentlich viel besser ist, zuzuhören. Auch wenn es nicht immer leicht ist. Und dass man sich darüber bewusst sein sollte, dass es immer nur Kleinigkeiten sind, die man zu lösen hat und dass man oft aus einer Mücke einen Elefanten macht. Die zweite Person, von der ich viel beim Zuschauen gelernt habe, war Oleg Deripaska, für den ich einige Jahre arbeiten durfte. Er hat mir gezeigt, dass man, in Amerika sagt man, vom Tellerwäscher zum Millionär wird. Wie man als Kind von einfachen ländlichen Verhältnissen mit wirklich viel Fleiß und Hartnäckigkeit ein Imperium schaffen kann und trotzdem immer noch am die meiste Freude hat, wenn man ein Butterbrot oder ein Wurstbrot hat, weil man die Bodenhaftung nicht verloren hat.

Was gefällt Ihnen an erleuchtend erzählt?

In den letzten Jahren erkenne ich im Marketing einen Switch, wo es immer um das Thema Storytelling geht, also um das Geschichten erzählen. Ich habe dann von erleuchtend erzählt gelesen und habe sofort diesen Konnex gehabt. Dann habe ich mir natürlich ein paar Videos reingezogen und dachte mir spannend, warum und was passiert da? Habe ich überhaupt eine Geschichte, die so interessant sein könnte? Aber dann habe ich eigentlich gemerkt, wie ich mir die Videos angesehen habe, dass hier oft Geschichten erzählt werden, die banal sind aber einem ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Also dachte ich mir, um das bemühe ich mich. Denn wenn meine Geschichte von jemanden gehört wird, dann kann er oder sie auch ein bisschen schmunzeln und gut gelaunt durch den Tag gehen.

Warum haben Sie sich für diese Lampe entschieden?

Ich habe diese Lampe spannend gefunden, weil ich mir dachte, dass diese Lampe sicher nicht im Karton stehen wird, sondern dass lediglich das Foto im Karton aufgenommen worden ist.

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