Klingonisch als Soft Skill

Markus Knasmüller

Geschäftsführer BMD Systemhaus GesmbH

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Heute zu Gast bei erLEUCHTEnd erzählt

Mein Name ist Markus Knasmüller, ich bin der Geschäftsführer der BMD Systemhaus GesmbH, eines Großunternehmens, eines der größten Softwarehäuser hier in Österreich. Wir machen ERP-Software und wir haben den Sitz in Steyr.

Was ist Ihre Story?

Es freut mich sehr, dass ich heute unter dieser Lampe hier meine Geschichte erzählen darf. Ich würde gerne von meinem allerersten Bewerbungsgespräch erzählen. Es ist schon lange her und da können Sie sich vorstellen, bei einer Firma, die so gewachsen ist, wie die BMD, haben wir letztes Jahr, trotz Corona, netto 70 Mitarbeiter*innen dazu gewonnen. Wie ich damals 1997 angefangen habe, waren wir gerade 70 Personen. In dieser Zeit habe ich sehr viele Bewerbungsgespräche führen dürfen. Wahrscheinlich mehrere hunderte, wenn nicht tausend und das allererste war sehr prägend. Die Geschichte von diesem Bewerbungsgespräch ist – glaube ich – lustig, ein bisschen traurig und auf allen Dingen ist sie für mich sehr lehrreich gewesen.

Damals habe ich frisch begonnen, habe mir gedacht, ich brauche ein paar neue Entwickler und klarerweise Kontakte zur Uni Linz, ich werde dort in diesem Becken von Absolventen so richtig fischen. Ich habe dann auch das Glück gehabt, dass sich gleich welche beworben haben. Ich habe das Gespräch ausgemacht. Auf der Bewerbung war mir der Name ein bisserl bekannt, aber habe ihn nicht wirklich zuordnen können und Foto war leider keines drauf. Am Tag des Bewerbungsgesprächs war ich zufällig in Linz auf der Uni, habe einige Studenten sitzen gesehen, habe mich dazu gesetzt und habe dann mitbekommen und mir wurde erklärt: “Den Kollegen siehst du morgen bei diesem Bewerbungsgespräch.” Ich habe kurz durchgeschnauft, zumindest geistig, ich glaube, man hat mir das nicht angesehen. Ich kannte ihn natürlich vom Sehen. Der Name hat mir jetzt auf einmal etwas gesagt und ich wusste, der „Reißer“ ist es nicht. Das war noch sehr positiv formuliert. Also mir war eigentlich klar, das Gespräch können wir uns sparen. Ich habe nichts gesagt, weil es in dieser Runde unfair gewesen wäre, aber für mich war klar, das Bewerbungsgespräch bringe ich schnell hinter mich, da werden wir nicht viel Zeit verlieren.

Genauso habe ich auch angefangen. Ich habe gleich gesagt: „Naja, über ihre Fachkenntnisse braucht man nicht viel diskutieren, ich weiß das genau, so Sachen, wie Pointer programmieren können Sie sicher aus dem Effeff.“ Dann kam ein kurzes „Nein.“ Ich habe nachgefragt und gesagt: „Moment mal, erstes Semester Programm im Praktikum, das habe ich ja selbst geleitet, das haben Sie gelernt.“ Die Antwort war: „Jo eh, aber die Übungen und die Klausur hat ein Kollege von mir geschrieben.“ Dann habe ich ein wenig verdutzt geschaut. Heute würde man angesichts von Plagiatsjägern vielleicht sogar gewisse Schritte ergreifen, war mir damals wurscht. Ich wollte es nur schnell hinter mich bringen und habe dann weitergemacht, habe gesagt: „Aber Datenbank programmieren, das können sie sicher. Aus dem fünften Semester.“ Auch die Klausur hat jemand anderer geschrieben, habe ich dann erfahren. Mehr und mehr habe ich mir gedacht, ich glaube, es ist jetzt ein Scherz. Meine ehemaligen Kollegen und Studenten wollen mich jetzt veräppeln und das Ganze ist ein Scherz.

Spätestens als ich nach den besonderen Fähigkeiten gefragt habe und dann Klingonisch, also diese Fantasy-Sprache aus Raumschiff Enterprise, als Antwort kam, habe ich sie gesucht, die versteckte Kamera. Ich habe sie nur nicht gefunden. Es war wirklich alles ernst. Er war sogar richtig verzweifelt, bin ich darauf gekommen, es war nämlich seine 173. Bewerbung. Und er hat er mir erzählt, er hat 170 Absagen daheim, die zwei anderen wären auch schon unterwegs und seine ganze Hoffnung läge jetzt bei mir. Und, ja, ich habe dann auch sagen müssen, dass es mir Leid tut, ich such‘ einfach einen Entwickler, das Grundwissen fehlt ganz einfach. „Die Ehrlichkeit schätze ich sehr“, habe ich gesagt. Gedacht habe ich mir, wie blöd kann man sein? Das habe ich ihm eben nicht gesagt, ich bin immer ernst geblieben. Anfangs, weil ich gedacht habe, ich tue meinen Kollegen den Gefallen nicht, dass ich mich hier blamiere und auf den Scherz reinfalle. Nachher dachte ich, er meint es wirklich ernst, er ist wirklich verzweifelt. Ich habe ihm damals ein paar Tipps gegeben, habe ihm gesagt, bei uns wird das jetzt nichts, das ist schon richtig, denn das passt einfach nicht, aber arbeiten Sie Ihre Stärken ein bisschen mehr heraus. Es soll vielleicht nicht gerade Klingonisch sein. Trotz allem, Sie haben ein Informatikstudium gemacht, vielleicht bei ein paar Prüfungen geschummelt, aber Sie können sicherlich etwas.

Wir sind beide aufrecht aus dem Gespräch rausgegangen, in Augenhöhe. Es hätte auch anders laufen können, ganz ehrlich, ich war knapp davor, dass ich ihn rausschmeiße, aber wir sind beide in Augenhöhe rausgegangen. Das war ganz wichtig. Drei Monate später kam er wieder zur BMD nach Steyr. Diesmal zum Verkaufsleiter und da hat er mich grüßen lassen, weil die 174. Bewerbung war erfolgreich, ganz offensichtlich. Er war als IT-Leiter in einem großen Unternehmen und die haben eine ERP-Software gebraucht. Für ihn war klar, das ist BMD, da ist er so richtig gut behandelt worden. Das war aufrecht, ehrlich, ich war nett zu ihm, habe ihn nicht genommen, weil es nicht gepasst hat, aber es war rundherum alles freundlich. Er hat sich für die BMD Software entschieden, als IT-Leiter die dort einzuführen. Das war ganz wichtig für mich, unheimlich lehrreich und ich glaube daran sollte man immer denken: Wenn ein Bewerber da ist, sollte man ehrlich mit ihm reden, aber mit voller Achtung, nie darüber lachen, die sind nicht perfekt, sonst wären sie keine Bewerber. Ich weiß es ist manchmal wirklich schwierig nicht zu lachen.

Ich kann mich erinnern, vor Kurzem war ein Maturant da, ich habe nach den Hobbys gefragt, er hat gesagt. „Mein Hobby ist Lesen.“ Ich fragte darauf: „Was lesen Sie denn gerade?“ Die Antwort war. „Ich habe gerade erst angefangen, ich habe letzte Woche ein Buch geschenkt bekommen.“ Man kann sich vorstellen, da lacht man fast wirklich innerlich, aber ich habe mich trotzdem zurückgehalten, weil ich weiß, es kann leicht sein, dass der Bewerber irgendwann wiederkommt und dann ist ziemlich sicher die Situation eine andere, da ist er nicht wieder Bewerber, sondern vielleicht die Person, die selbst entscheiden wird.

Wer hat Sie erleuchtet?

Das sind sicherlich meine beiden bisherigen Chefs, der Professor Mössenböck an der Uni Linz, der meine Doktorarbeit verbessert hat und geführt hat. Und auch der Herr Kommerzialrat Wieser, der ehemalige Chef der BMD, der seit 1972 in der BMD war und seit über 30 Jahren, fast 40 Jahre lang Geschäftsführer gewesen ist. Das sind die beiden, die mich am meisten geprägt haben.

Was traut man Ihnen eher nicht zu?

Man traut mir nicht zu, so richtig böse zu sein. Die Leute, die mich gut kennen, die wissen schon, dass ich das sein kann, aber auch wenn es der andere gegenüber wert ist. Da kann man auch spüren, dass es mir nicht passt. Bei andern ignoriere ich es meistens, werde nicht so richtig böse, weil es nicht so wichtig ist. Aber eins ist ganz sicher, gemein kann ich nicht sein, das ist sicher richtig.

Was gefällt Ihnen an erLEUCHTEnd erzählt

Weil es toll ist, einfach solche Geschichten einmal erzählen zu können, die man vielleicht am Stammtisch, oder in der Freundesrunde ab und zu erzählt, aber hier hat es wirklich ein Publikum.

Warum haben Sie sich für diese Lampe entschieden?

Diese Lampe? Das ist leicht erklärt: gibt ein helles Licht, sieht stabil aus, ist funktionell, gut, benutzerfreundlich und sie erinnert mich damit auch irrsinnig an unsere Software.

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