Kulturelle Nachhilfe für Professoren

Horst Treiblmaier

Head of Department Modul University

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Heute zu Gast bei erLEUCHTEnd erzählt

Mein Name ist Horst Treibelmaier und ich bin mittlerweile seit fast 4 Jahren der „Head of Department International Management“ hier an der Modul University in Vienna. Es ist eine Privatuniversität, die ursprünglich mit Tourismus angefangen hat, doch mittlerweile haben wir so viele Studierende im Bereich Management, sodass ich damals angefragt wurde, ob ich das Department übernehmen bzw. aufbauen kann.

Was ist Ihre Story?

Für meine Story muss ich ein wenig weiter ausholen. Es ist eigentlich eine Geschichte über kulturelle Unterschiede und kulturelle Missverständnisse. Ich war im Laufe meiner Karriere an vielen internationalen Universitäten, unter anderem war ich auch ein Jahr in Kasachstan. Und über dieses Jahr wollte ich hier kurz erzählen und eine kleine Anekdote dazu wiedergeben, die vielleicht ganz gut widerspiegelt, wie kulturelle Unterschiede – bereits auf ganz niedrigem Niveau – dazu führen können, dass es zu Missverständnisse kommt.

Begonnen hat die ganze Sache, als ich auf einen Forschungsjahr war, das heißt, ich war damals an der WU in Wien und wurde dort für ein Jahr freigestellt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, ich war mit meiner Frau in Australien und wir waren sozusagen ein Jahr auf Weltreise. In meinem Fall war es beruflicher Natur. In Australien sah ich dann, dass in Kasachstan, an der besten kasachischen Universität, Professoren gesucht werden. Die haben dort damals ziemlich aufgebaut. Doch dann habe ich mich gefragt: Was weiß ich über Kasachstan? Und bin dann darauf gekommen: Ich weiß so gut wie nichts. Es ist das neuntgrößte Land der Erde, es hat jede Menge Bodenschätze, aber viel mehr war mir nicht bekannt. Das war ein Grund für mich zu sagen, dass ich ganz gerne mal dort hinschauen würde. Im ersten Moment hat meine Frau das für einen Scherz gehalten. Ich sagte: „Gehen wir nach Kasachstan!“ und hatte schnell gemerkt, okay, sie nimmt das nicht so ernst. Aber ich konnte sie dann überzeugen, dass sie auch mitgeht. Also fragte ich bei der Universität nach einer einjährigen Gastprofessor-Stelle an. Worauf die Universität gerne zugestimmte. Und natürlich ist in dem Jahr viel passiert, aber ich möchte hier eine ganz einfache, fast schon banale Geschichte erzählen, die sozusagen beim Unterrichten passiert ist. Ich habe ja sehr viel Unterrichtserfahrung, also ich mache das ja mittlerweile seit gut 20 Jahren, daher dachte ich, dass ich bereits alles erlebt hatte und es nichts mehr gibt, was mich überraschen könnte. Ich bin dann dort an die Uni gekommen, habe dort meine Kurse bekommen und es ist alles sehr gut gelaufen, also auch mit den Studierenden, denn die waren sehr aufmerksam und sehr freundlich. Es war kein großer Rahmen, vielleicht um die 20-30 Studierende. Ich unterrichtete dort einen Kurs, den ich hier schon oft abgehalten hatte, nämlich aus dem Bereich „Information Management“. Es war alles sehr interaktiv und irgendwann kam es dann zum ersten Zwischentest, also so ungefähr nachdem ein Drittel des Kurses vorüber war. Dieser Test fiel verheerend aus. In dem Fall war es so, dass mehr als die Hälfte der Studierenden negativ war. Was bei mir eigentlich selten vorkommt. Und es ist so, wenn 5% der Studierenden negativ sind, dann ist es vermutlich deren Schuld, aber wenn mehr als die Hälfte negativ ist, dann beginne ich auch bei mir nach Gründen zu suchen, warum es schiefgelaufen ist. Ich beschloss, bei den nächsten Einheiten die Studierenden genau zu beobachten und bin dann dadurch darauf gekommen, dass sie sich keine Notizen machten. Das war auch schon vorher der Fall gewesen, aber mir war es wohl einfach nicht aufgefallen. Weil ich einfach davon ausgegangen war, mit meinem westlichen Weltbild, das alles, was ich an der Tafel mache oder irgendwo auf ein Whiteboard aufzeichne, prüfungsrelevant ist. Also mein Verständnis war, dass alles was in der Klasse passierte, gelernt werden muss. Aber die Studierenden dort kommen aus einem anderen System, die sind es gewohnt Bücher und schriftliche Unterlagen zu haben. Genau das wird dann auch studiert und das funktioniert auch ganz gut. Das war für mich das Aha-Erlebnis schlechthin, also dass ich nicht einfach meine Sache durchziehen darf, unabhängig von dem wie die Studierenden lernen oder wie sie reagieren. Und dass ich auch beobachten muss, während des Kurses, ob das wirklich verarbeitet bzw. notiert wird. Ich begann dann nach dem ersten Zwischentest einfach meinen Stil umzustellen und wies die Studierenden darauf hin, dass auch Dinge, die nicht im Buch stehen, relevant sein können, einfach weil sie vielleicht eines Tages aktuell sein werden. Das hat dann auch perfekt funktioniert, denn es gab auch ein Happy End in diesem Kurs: Alle Studierenden schlossen positiv ab.

Aber für mich war es wirklich ein Erlebnis, welches mir gezeigt hat: Man darf nie mit Voreinstellungen wie „Ich weiß ohnehin alles, weil ich habe das schon zehnmal in unterschiedlichen Settings gemacht“ oder „Ich weiß ganz genau was passiert und wie die Studierenden lernen“ irgendwo hingehen bzw. reingehen. Eines von vielen Beispielen, wo ich einfach gemerkt habe, ich muss offen sein, beobachten und dazu lernen. Das hat dann das ganze restliche Jahr auch gut funktioniert. Aber das war ein kleiner Kulturschock, der mir aufgezeigt hat, dass es unterschiedliche Bildungssysteme gibt und dass man nicht pauschal sagen kann, eines ist besser als das andere. Sondern, dass man versuchen muss zu verstehen, wie Studierenden aufgewachsen sind und wie sie gelernt haben zu lernen.

Wer hat Sie erleuchtet?

Ich möchte auf diese Frage, wer mich besonders inspiriert hat, keine Namen nennen. Ich interessiere mich aber auch sehr für Literatur, die sich auch mit Persönlichkeiten beschäftigt. Da faszinieren mich vor allem all die, die sich situativ auf Rahmenbedingungen einstellen können. Denn es heißt immer Person A ist eine gute Führungspersönlichkeit für Person B. Aber für mich hängt das immer mit der jeweiligen Situation zusammen. Mich beeindrucken jene Führungspersönlichkeiten, die es schaffen, sich schnell auf andere Gegebenheiten und auf andere Personen einzustellen. Gerade im universitären Bereich ist es so, dass man sehr viele Freiheiten geben muss. Ich selbst habe in meiner akademischen Karriere sehr viele Freiheiten bekommen und dafür bin ich sehr dankbar. Das ist auch Teil meines Führungsstils, der gut zu Universitäten passt, der aber zum Beispiel beim Militär nicht gut passen würde. Ich muss sagen es gibt sehr viel spezifische Literatur zum Thema Führung, damit es situativ gesehen funktioniert. Es gibt da beispielweise ein klassisches Werk von Thomas J. Peters und Robert H. Waterman namens „In Search Of Excellence“. Die haben sich für das Buch 94 top geführte Unternehmen, vor allem in den USA, angesehen. Nur ist es mittlerweile so, dass ein Teil der Unternehmen nicht mehr existiert. Das heißt zur damaligen Zeit hat es funktioniert bzw. hat das Angebot funktioniert. Doch im Laufe der Zeit war einfach kein Markt mehr dafür da. Das heißt, ich würde nicht so weit gehen, dass ich daran einen persönlichen Führungsstil aufhänge. 

Es gab auch eine Publikation im Jahr 2011 in der Havard-Business-Review, die ich gerne in meinen Kursen verwende. Dort haben Forscher herausgefunden, dass Personen mit unterschiedlichen Ohrläppchen besser führen, als Personen mit symmetrischen Ohrläppchen. Ich verwende das gerne als Beispiel dafür, dass es höchstwahrscheinlich so ist, dass von den ganzen Merkmalen, die es geben kann, zufälligerweise eben im diesen Beispiel herausgekommen ist, dass die Menschen mit besseren Führungsstil, in diesem konkreten Fall unterschiedliche Ohrläppchen hatten. Das kann man übrigens ganz einfach im Netz herausfinden, sie müssen nur „2011 Havard Business Review Ear Lobe Leadership“ googeln. Also ich persönlich glaube nicht, dass Ohrläppchen irgendwas mit guter Führung zu tun haben, unabhängig davon, ob das in irgendeinem hochrangingen Journal publiziert ist. Was gute Führung für mich ausmacht, ist, Freiheiten zu geben, vor allem bei Mitarbeitern, die diese zu würdigen wissen und die in der Lage sind damit umzugehen. Wie gesagt, im Industriebetrieb ist es sicherlich anders als im universitären Bereich. Für mich sind all die Personen nachahmens- und bewundernswert, die es schaffen sich situativ auf eine Begebenheit einzustellen und sich dann fragen: Was braucht die Situation und was brauchen die Mitarbeiter für Anleitungen, um sich führen zu lassen?

Was gefällt Ihnen an erLEUCHTEnd erzählt?

Ich finde es sehr spannend, dass man neben der beruflichen Fassade, die man jeden Tag trägt, hier auch die Möglichkeit bekommt über Dinge zu sprechen, die man normalerweise eben nicht erzählt oder nicht weitergibt. So hört man auch Persönlicheres von den Leuten. Ich habe mir auf der Website ja auch die vorangegangenen Interviews mit den anderen Führungspersonen durchgesehen und finde es sehr, sehr inspirierend dort ein paar private Geschichten kennenzulernen.

Warum haben Sie sich für diese Lampe entschieden?

Diese Lampe hat mich angesprochen, weil sie sehr positiv auf mich wirkt. Es ist ein Stern und darauf sieht man ein freundliches Gesicht. Wir sind hier an einer Universität und es ist auch irgendwie Teil unserer Aufgabe eine positive Atmosphäre gegenüber den Studierenden zu schaffen. Dabei soll besonders für unsere international Studierenden ein positives Umfeld geschaffen werden. Deswegen diese Lampe mit dem Smiley drauf.

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