Hamma des?

Helmut Brandstätter

Nationalratsabgeordneter NEOS

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Heute zu Gast bei erLEUCHTEnd erzählt

Mein Name ist Helmut Brandstätter. Ich bin vom Beruf Beobachter, und zwar seit ich ein Kind bin. Mich haben alle Vorfälle und Menschen in der Umgebung interessiert. Aus dieser Freude habe ich einen Beruf gemacht, den des Journalisten. Journalismus, vor allem Beobachten, und bin jetzt in der Politik gelandet.

Was ist Ihre Story?

Meine Story: Das Thema ist Kommunikation und wie Chefs mit MitarbeiterInnen kommunizieren. Das hat mich auch sehr früh bewegt, weil ich in relativ jungen Jahren damals in Bonn beim ORF Studioleiter wurde. Da mussten wir schon sehr viel durch das Land fahren. Wir hatten mehrere MitarbeiterInnen und die musste man steuern. Ich war relativ jung schon mit Führungsaufgaben betraut. Zuerst in der Hochschülerschaft, dann war ich Reiseleiter und eine Gruppe unterschiedlicher Nationen zu führen ist schwierig. Beim ORF habe ich das gar nicht angestrebt, habe aber relativ schnell Karriere gemacht, war Studioleiter in Bonn und dann später Hauptabteilungsleiter beim ORF in Wien. Beim ORF geht es oft gar nicht so sehr um Führung, sondern um andere Dinge, wie politische Einflüsse. Deswegen ist es, was Führung betrifft, eigentlich gar nicht so ein interessantes Unternehmen. Da habe ich viel mehr bei nTV erlebt.

Ich bin 1997 zum deutschen Nachrichtensender nTV nach Berlin gekommen und habe dort relativ schnell die Schwierigkeit der Sprache entdeckt. Ein Österreicher spricht mit Deutschen. Aber auch die Schwierigkeit, da kommt einer aus dem kleinen Österreich zu einem, zwar zu keinem großen Nachrichtensender, aber einem großen Land wie Deutschland und muss denen Fernsehen beibringen, weil Vieles dort wirklich nicht ganz so gut funktioniert hat. Dann bin ich schnell draufgekommen, dass sie mich manchmal gar nicht verstehen. Zum Abschied hat man mir dann ein kleines Plakat geschenkt und da steht drauf, wenn man das hier lesen kann: „Hamma des?“. Und das würde in Wien jeder verstehen als „Haben wir das?“. Die Deutschen haben immer gesagt „Was heißt denn das? Hamme des?!“. Es gab es schon mal sprachliche Barrieren zu überwinden. „Hamma des?“, warum habe ich das gesagt? Weil ich immer beobachtet habe, was CNN hatte. CNN war immer der, ist noch immer der, führende Nachrichtensender weltweit und war bei uns auch beteiligt. Wir hatten das Recht, weil wir dafür zahlten, jederzeit auf CNN live zu gehen. Und den Deutschen hat das nicht immer unbedingt gefallen, weil sie der Meinung waren, etwas Deutsches ist wichtiger, als ein internationales Ereignis. Wir sind ja auch gut so. Für den kleinen Österreicher sind beides Weltreiche, Deutschland und Amerika, mit großen Nachrichtensendern. Deshalb habe ich immer nach den Inhalten unterschieden und habe gesehen, dass auf CNN spannende Dinge sind, die wir übernehmen müssen. Das habe ich dann mit den Leuten erarbeitet. Ich habe ihnen gesagt, wenn ein wichtiges Ereignis ist, gehen wir live und setzten uns hin. Wir müssen die Fähigkeiten haben, das sofort zu erklären, damit können wir werben, dass wir immer die Schnellsten sind.

Und pünktlich müssen wir auch sein. Das war auch eine spannende Erfahrung in Deutschland. Ich habe manchmal gesehen, wenn es 10 Uhr war, dann mussten die Nachrichten beginnen. Um 10 Uhr Punkt. Manchmal war es ein paar Sekunden später, 10 bis 20 Sekunden später. Das hat mich gestört. Jedes Mal, wenn wir eine Sitzung hatten, etwa um 9 Uhr früh und ich kam 3 Minuten später, haben sie geschaut… Was ist da los? Warum kommt er zu spät? Da habe ich gesagt „Machen wir bitte folgendes: Ab sofort beginnen die Sitzungen ein bisschen später, dafür die Nachrichten pünktlich.“ Da hat sich jemand zu Wort gemeldet und sagte: „Also das mit Nachrichten pünktlich verstehe ich, aber warum muss dann die Sitzung später anfangen?“. Da habe ich gesagt: „Das war a Schmäh. Ich wollte sagen, dass es wichtiger ist, dass die Nachrichten pünktlich sind, als dass die Sitzung pünktlich ist.“ Dann ist die Frage aufgetaucht: „Was ist ein Schmäh?“. Ich habe versucht zu erklären, dass das eine Art und Weise ist, wie man sich über etwas lustig machen kann, um es verständlicher zu machen. Das hat mir aber bewiesen, dass man mit Ironie oder lustig machen inhaltlich nicht weiterkommt.

Wer hat Sie erleuchtet?

Das ist schwierig, weil ich mir nie ein Vorbild genommen habe. Aus der Beobachtung heraus habe ich gelernt, dass alle Menschen völlig unterschiedlich sind. Jemanden zu imitieren kann eigentlich nur peinlich werden. Auch weil wir als junge Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen waren und uns weiterentwickelt haben. Vom Lernen und vom Wissen war natürlich für uns junge JournalistInnen aus verschiedenen Gründen Hugo Portisch ein riesiges Vorbild. Seine unendliche Neugierde, die er bis heute hat, der unendliche Wissensdrang aber auch Reisedrang… Hinauszufahren, Dinge anzuschauen, Dinge zu beobachten hat mir immer sehr gut gefallen. Aber auch bei anderen Chefs, die ich hatte, wie Franz Kreuzer, war das Vorbild eigentlich möglichst noch mehr zu wissen noch mehr zu lesen noch mehr zu fragen, um einen Überblick zu haben und um nicht von anderen abhängig zu sein. Das war vielleicht etwas, das mich immer schon motiviert hat: Nicht von anderen Menschen abhängig zu sein und das motiviert mich heute noch. Unabhängigkeit und Freiheit sind seit meiner Kindheit ganz wesentliche Motive gewesen.

Was gefällt Ihnen an erLEUCHTEnd erzählt?

Weil ich eben jemand bin, der gerne erzählt und mich Kameras dabei nicht stören. Und ich vor allem gerne mit jungen Leuten rede, um ihnen meine Erfahrung weiterzugeben. Wie gesagt, ich habe von der Erfahrung anderer gelernt. Wenn wir es heute im Jahr 2020 gesellschaftspolitische sehen, sieht Österreich völlig anders aus, als in der Zeit als ich studiert habe und ein junger Reporter war. Aber sehr viel ist auch ähnlich geblieben, vor allem das, was wir gelernt haben. Von den anderen Generationen können nächste Generationen wieder lernen. Ich habe gerade das Buch Der Weckruf für Europa geschrieben und die Widmung für das Buch ist „Für die Generation meiner Kinder und die nächsten Generationen. Dass auch sie in Frieden und Freiheit in Europa leben mögen“. Und das ist ja eigentlich etwas, das mich sehr bewegt. Unsere Chance, die wir hatten in einem Europa des Wohlstands und der wachsenden Freiheiten aufzuwachsen… Ich war selbst in Warschau mit Helmut Kohl, als wir erfahren haben, dass die Berliner Mauer gefallen ist. Ich habe vorher in der DDR den Kommunismus hautnah erlebt als Reporter. Und miterleben zu dürfen, wie sich Freiheit durchsetzt, wie Frieden erfolgreich ist, wie das mit dem Wohlstand verbunden ist… Dann bei den Jugoslawienkriegen mitzuerleben, aus der Nähe, wie schnell wieder Hass entstehen kann in einem vorher ordentlichen Zusammenleben in Jugoslawien und wie schwierig es ist, bis heute dort zu Frieden zu kommen. Das bewegt mich sehr und das gebe ich auch sehr gerne weiter.

Warum haben Sie sich für diese Lampe entschieden?

Erstens schaut dieser Hund sehr friedlich aus. Und ich brauche auch manchmal Brillen, um genauer hinzusehen. Ob jetzt mit Brillen, oder Kontaktlinsen, wichtig ist, dass man genau hinschaut und sich vor einer Analyse nicht fürchtet, die nach einem genauen Hinschauen da ist. Das kann manchmal auch schmerzhaft sein z.B., wenn man auch auf sich selbst schaut. Aber es bewahrt einen vielleicht vor dem nächsten Fehler.

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