Glücklicher (Familien-)Zufall

Ferdinand & Doris Hassler

Geschäftsführung Personalservice Hassler

Das Video
Teilen
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Schau, was ich gefunden habe, mach da mit!
Zum Mithören...
Zum Mitlesen...

Heute zu Gast bei erLEUCHTEnd erzählt

Mein Name ist Ferdinand Hassler. Ich bin Geschäftsführer der Personalservice Hassler GmbH – ein Unternehmen im Bereich der Arbeitskräfteüberlassung. Das neben mir ist meine Tochter Doris, die in weiterer Folge das Unternehmen führen wird.

Was ist Ihre Story?

Ferdinand Hassler

Meine Story ist die Geschichte eines 20-jährigen HTL-Absolventen, der von einem Virus befallen wurde. Was habe ich mir mit 20 Jahren vorgestellt? Ich wollte eigentlich gleich erfolgreich sein, wie meine Eltern: Ein Eigenheim bauen und einen bescheidenden Wohlstand schaffen. Mit 25 wollte ich eine Familie gründen, Kinder haben. Mit 30 Jahren ein Eigenheim und mit 40 Jahren wollte ich meine berufliche Laufbahn auf den Höhepunkt bringen. Und mit 50 Jahren, so stellte ich es mir vor, könnte ich dann das Leben genießen. Dass das Ganze nicht so gelaufen ist, hat natürlich einige Gründe gehabt, aber schlussendlich habe ich meine Berufslaufbahn in Deutschland in einem Konstruktionsbüro begonnen und habe dann nach einem halben Jahr zur Firma Wild in Völkermarkt gewechselt. Das ist ein Schweizer Industrieunternehmen, welches damals als eine verlängerte Werkbank fungiert hat. Das hatte zur Folge, dass es immer wieder auf und ab ging – von 400 Mitarbeiter auf 200, von 200 auf 300, von 300 auf 150. Ich, als junger Techniker, habe mir in diesen Situationen doch etwas schwergetan, aber jede Veränderung hat neuen Chancen und Aufgaben gebracht. Ich konnte so sehr, sehr viele Chancen nutzen.

1995 hatte ich dann ein Schlüsselerlebnis: Ich war auf Besuch bei den vatikanischen Museen in Rom und habe da einen Marmortisch mit Intarsien gesehen, mit einem Durchmesser von ca. 3 m. Der Museumsführer hatte damals gesagt: „So etwas kann man heute nicht mehr herstellen, das ist absolut nicht möglich!“ Ich war aber so fasziniert von diesem Werkstück, dass ich nach der Rückkehr alles probiert habe, um so etwas zu fertigen. Nach einiger Zeit habe ich Methoden und Möglichkeiten gefunden so einen Tisch herzustellen, zwar nicht im 3-Meter-Format, aber im Durchmesser von einem Meter, und das ist mir wirklich sehr, sehr gut gelungen. Viele Menschen haben das bewundert und ich habe dafür auch sehr viele Verkaufsangebote bekommen. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, ich muss mich eigentlich selbständig machen, denn ich muss Marmortische bauen und diese dann auch verkaufen. Leider hat meine Familie nicht ganz mitgespielt, weil ich einen tollen Job hatte. Und das Risiko mit der Selbstständigkeit … es wurde mir immer wieder vorhergesagt, dass ich das nicht machen sollte. Schlussendlich hat die Vernunft gesiegt. Ich bin bei meinem Job geblieben, aber der Virus hat mich trotzdem befallen.

1994 wurde dann die Firma Wild verkauft und 2001 gab es große Veränderungen, Umstrukturierungen. Ich war damals Leiter der EDV-Abteilung und habe dann die Aufgabe bekommen, auch den Bereich Personal- und Organisationsentwicklung auszubauen. Damit das Ganze auch fachlich in Ordnung ist, habe ich berufsbegleitend zur damaligen Zeit ein Masterstudium im Fach „Internationales Personalmanagement“ gemacht und habe dieses dann auch abgeschlossen.

2007, ich war gerade 50 Jahre alt geworden, hatte ich bei der Firma Wild alle Karrierestufen durchlaufen. Also dachte ich mir, jetzt ist es endlich an Zeit, das Leben zu genießen. Aber es ist doch nicht so gekommen. Denn ich hatte von einem Unternehmen mit ca. 500 Mitarbeitern ein Angebot bekommen, als Geschäftsführer dort hinzugehen. Nach kurzer Überlegungszeit habe ich das Angebot angenommen, mit dem Hintergedanken, dass wenn ich schon keine eigene Firma haben kann, dann wenigstens als Geschäftsführer anfangen kann – das ist ja ähnlich. Vier Jahre später hat es in diesem Unternehmen Vorstands- und Aufsichtsratsbeschlüsse gegeben, dass ein Teil dieses Unternehmens outgesourct werden soll. Ich bekam die Chance diesen Teil des Unternehmens zu übernehmen. Und so wurde im Mai 2011 die Firma „Personalservice Hassler GmbH“ gegründet. Das war ich 55 Jahre alt, ich war schon in einem gehobenen Alter, aber voller Motivation. Heute ist das Unternehmen am Markt etabliert, wir haben weit mehr als 100 Mitarbeiter und auch für die Zukunft ist gesorgt. Meine Tochter Doris wird nach meiner Pensionierung dieses Unternehmen weiterführen.

Was ist Ihre Story?

Doris Hassler

Man möchte ja meinen, in einem Familienbetrieb ist das nichts Besonderes, dass die nächste Generation übernimmt. In meinem Fall ist es aber eigentlich sehr ungewöhnlich, weil ich ja ursprünglich aus einem ganz anderen Bereich komme. Ich komme aus der Kunst- und Kulturbranche. Ich habe Kunstgeschichte und Restaurierung studiert und wie ich dann zur Arbeitskräfteüberlassung gekommen bin, das erzähle ich jetzt. Ich war damals 26 Jahre alt, hatte ein Studium schon abgeschlossen, das zweite beinahe auch, da hat mir nur noch die Diplomarbeit gefehlt. Ein Jahr hatte ich noch und ich dachte mir damals, ich muss mir jetzt einen Job neben der Uni suchen, weil ich eine Versicherung brauchte. Das ist gar nicht so einfach in diesem Bereich, eine Anstellung zu finden. Ich hatte damals wirklich Glück gehabt und hatte sofort eine Praktikumsstelle bekommen, die ausgeschrieben war. Die war genau auf meine Qualifikationen zugeschrieben, denn es wurde jemand gesucht, der Kunstgeschichte und Restaurierung können sollte und sich am Ende des Studiums befand. Ich bewarb mich dort, kam zum Bewerbungsgespräch, es hat alles gepasst. Ich kann mich erinnern, Ferdinand hat danach mit mir telefoniert. Dann hast du mich gefragt: „Naja, wie viele Bewerber sind es denn gesamt für diese Stelle?“ Es waren nämlich zwei Stellen ausgeschrieben. Ich sagte dann: „Ja, 50.“, und er antwortete: „So viele Chancen hast du da nicht.“ Aber ich sagte: „Doch, doch, ich bekomme diese Stelle. Ich weiß das, das ist meine Stelle.“

Ich habe die Stelle letztendlich bekommen und habe dann dort einen sehr schönen Monat verbracht, denn es war für mich eine sehr attraktive Stelle. Ich hatte dann wirklich Glück, denn unser Chef sagte uns, dass wir eine Teilzeitanstellung ab Herbst bekommen könnten, also perfekt neben der Uni. Es war alles ausgemacht: Wie viele Stunden wir arbeiten, welches Aufgabengebiet, was wir verdienen, mit mündlicher Zusage ab Oktober. Und ich dachte mir: „Super, passt, das hat funktioniert!“ Zusätzlich sagte ich dazu, dass ich es bitte fix wissen muss, da das für mich sehr wichtig war, da ich sonst keine Versicherung mehr haben würde und ich den Job brauche. „Ja, ja passt alles.“

Dann kam der Oktober und dann hat es plötzlich geheißen: „Oh Entschuldigung, ich bekomme das Budget nicht, tut mir leid.“ Und dann bin ich dagestanden ohne Job, ohne Versicherung und auch ohne Alternativen, weil ich ja keine Zeit mehr gehabt hatte, mir etwas anderes zu suchen. Ich hatte mich darauf verlassen. Da ist dann mein Vater zu mir gekommen und sagte: „Weißt du was? Ich brauche in der Firma jemanden für die Datenbankpflege. Wenn du willst, kannst du das machen, dann nehme ich dich. Wenn du nicht willst, dann finden wir eine andere Lösung, aber ich muss jemanden aufnehmen. Willst du es machen?“ Und ich habe natürlich gesagt: „Ja, selbstverständlich. Her damit, wenn es mir schon am Silbertablett präsentiert wird, dann mache ich das!“ Ich wusste nicht genau, was ich machen sollte, aber ich dachte mir, dass wir das schon schaffen werden. Ich habe damals auch die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, da ich ja in Wien war. Also bei uns gab es schon Homeoffice, bevor es durch Corona modern geworden ist – wir waren da sehr fortschrittlich. So habe ich eigentlich in der Firma angefangen – es war ein unglücklicher Zufall. Ich habe dann sogar noch im Nachhinein erfahren, dass das so gar nicht gestimmt hatte mit dem Budget, das war dann auch ein bisschen traurig für mich. Ich war wegen einer anderen Sache nochmal dort und dann gehe ich da hinein, sitzt da eine junge Dame auf dem Stuhl – auf dem ich hätte sitzen sollen – und macht die Arbeit, die ich hätte machen sollen. Wir sind ein bisschen ins Reden gekommen, sie kannte mich nicht und sagte dann: „Ah, das ist so ein toller Job neben dem Studium und ich habe auch nur noch meine Diplomarbeit zu schreiben, es ist so toll, dass ich das gefunden habe.“ So bin ich im Nachhinein draufgekommen, dass sie nicht so viele Ausbildungen in der Richtung hatte, wie ich, aber sie hatte sehr gute Beziehungen zur Chefetage gehabt und deshalb hatte sie den Job bekommen und nicht ich. Das war für mich doch sehr traurig, weil es ursprünglich mir versprochen worden war. Mein Vater hat mir damals gesagt, weil er gemerkt hat, dass ich ein bisschen traurig darüber war und er mich aufbauen wollte: „Schau, jetzt bist du Sekretärin, aber vielleicht bist du irgendwann Geschäftsführerin.“ Und ich dachte mir damals: „Ah Gott, Papa, was hast du für Ambitionen, ich bin froh, dass ich mal einen Job habe und muss mal mein Studium fertig bringen!“ Aber es war bei mir nie so am Radar, dass ich in Richtung Geschäftsführung in der Firma gehe. Es war ja wirklich nur ein spontaner Zufall, eigentlich, dass ich diesen Job bekommen habe. Und vielleicht auch deshalb, weil ich die Erfahrung gemacht habe, wenn man so ein Geschenk kriegt, eine Chance. Ich habe keine von den gesuchten Qualifikationen mitgebracht, denn ich komme ja von ganz wo anders. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn man diese Chance durch Beziehungen kriegt, man sich sehr engagieren muss. Ich habe das auch immer sehr ernst genommen, ich habe alle Chancen und alle Ausbildungen, die ich bekommen konnte, genützt. Ich habe mich immer engagiert, immer eingesetzt, dass ich wirklich das Beste für die Firma beitragen kann. Und ich glaube, das wurde überall gesehen und wertgeschätzt. Es war für mich ein sehr schönes Erlebnis, dass mich in den letzten Jahren die Kollegen auch immer schon so vorgestellt haben mit den Worten „Das ist Frau Hassler, die Tochter von Herrn Hassler, sie wird dann in Zukunft das Unternehmen weiterführen.“ Also eigentlich haben mich andere zu dieser Stelle gebracht und das finde ich persönlich sehr, sehr schön.

Wer hat Sie erleuchtet?

Ferdinand Hassler

Besonders inspiriert hat mich Direktor Brutschy. Jedes Jahr hatten wir Gehaltsverhandlungen mit ihm und immer, wenn wir da gesessen sind und gesprochen haben, sagte er: „Bleibt am Boden, denn jeder Mensch ist ersetzbar.“ Und dann hat er zusätzlich noch seinen Blick aus seinem Büro in Richtung Friedhof, der in Sichtweite war, geworfen und sagte: „Denkt daran, auch die wurden ersetzt.“

Warum machen Sie bei erLEUCHTEnd erzählt mit?

Ferdinand Hassler

Ich mache hier mit, weil ich gesehen habe, dass hier viele Persönlichkeiten ihr Stories erzählen. Da geht es nicht nur um Daten und Fakten, sondern es geht darum einen persönlichen Eindruck zu hinterlassen.

Warum haben Sie sich für diese Lampe entschieden?

Ferdinand Hassler

Für diese Lampe habe ich mich entschieden, weil sie für mich am Beginn einen kontinuierlichen Aufstieg, dann Verwicklungen in der Sturm und Drang Zeit, aber schlussendlich das Ganze wieder schön, kontinuierlich und gerade darstellt. Die Erleuchtung kommt auch noch, zum Schluss.

Teilen
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere tolle Geschichten

“Lebensplanung? Forget it!”

Dieter Hardt-Stremayr

Geschäftsführer des Graz Tourismus
Frank van der Heijden Egger Getränke im Interview Erleuchtend Erzählt

“Von Mensch zu Mensch”

Frank van der Heijden

Geschäftsführer Egger Getränke