Mit Vollgas zur Erkenntnis

Dietmar Brodel

Studienbereichsleiter Wirtschaft und Management FH Kärnten

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Heute zu Gast bei erLEUCHTEnd erzählt

Mein Name ist Dietmar Brodel. Ich leite den Studienbereich Wirtschaft und Management an der Fachhochschule Kärnten. Die FH Kärnten ist eine der älteren Fachhochschulen in Österreich. Ich habe die Freude seit 18 Jahren hier zu arbeiten und war auch acht Jahre lang Rektor der Fachhochschule. Ich freue mich jetzt mit dem Team der FH die Dinge vorwärts zu bringen.

Was ist Ihre Story?

Meine Story… Das ist eine Geschichte, die mir vor einigen Jahren passiert ist und die mein Leben, meine Einstellung zur Arbeit und meine Lebensfreude ganz nachhaltig verbessert hat. Vor ein paar Jahren war ich auf dem Weg nach Spittal zur Aufsichtsratssitzung. Ich bin jemand, der eigentlich immer auf den letzten Drücker losfährt, weil ich denke ich kann die Zeit noch besser nützen und noch etwas hinzubekommen. Wie üblich war ich dann etwas zu spät von Villach losgefahren. Ich bin dann auf die Autobahn aufgefahren mit etwas überhöhter Geschwindigkeit, muss ich zugeben. Nach einem Tunnel, dem Kroislerwandtunnel, gab es auf einmal Regen, es war Aquaplaning. Ich bin aus dem Aquaplaning ins Schleudern gekommen und hatte einen Unfall, der im ersten Moment relativ dramatisch war. Das Auto hat sich gedreht und das ist zuerst mal nicht lustig, mit 140 km/h oder so… Wenn die Rückräder des Autos dann nach vorne kommen. Ich hatte eigentlich mit meinem Leben abgeschlossen. Das Auto hat sich ein paar Mal überschlagen und ich dachte das war’s jetzt. Ohne großes Bedauern, sondern eher feststellend. Ich war dann sehr erstaunt, als ich den Unfall überstanden habe. Ich und das Auto langen auf dem Kopf, sehe an mir runter und es ist genau nichts passiert. Gar nichts. Außer, was nicht so gescheit war, weil ich auf dem Kopf hing, dachte ich mir, ich muss raus und habe den Gurt gelöst und bin dann hingefallen und habe mir beim Hinfallen einen kleinen Kratzer geholt, der aber nicht der Rede wert ist. Und das ist alles was mir passiert ist, nicht mal ein blauer Fleck. Ich habe im ersten Moment gedacht, na super, jetzt kannst du zur Aufsichtsratssitzung fahren, wie geplant. Fahren war natürlich erst mal nicht möglich, weil das Auto zerstört war. Ich bin dann zum Schrottplatz gefahren worden, wo das Auto hingebracht wurde. Von dort bin ich dann mit dem Taxi zur Aufsichtsratssitzung, was natürlich vollkommen überflüssig war dort hinzugehen, denn ich habe genau nichts mehr mitbekommen. Mir haben dann hinterher die anderen Mitglieder erzählt, dass ich total blank und blass war und habe eigentlich keinen geraden Satz mehr rausbekommen. Also vollkommen überflüssig überhaupt dort hinzufahren. Für mich war die Sache zunächst einmal erledigt. Wie sich dann aber herausgestellt hat, war die Sache dann doch nicht erledigt. Es hat bei mir einen gewissen Nachdenkprozess auch ausgelöst. Ich bin draufgekommen, dass man sterben kann. Und dann habe ich nochmal darüber nachgedacht und dachte mir, tatsächlich werde ich wahrscheinlich auch sterben. Also alle Menschen werden sterben, also werde ich wahrscheinlich auch sterben müssen. Daraus folgte dann ganz natürlich die Überlegung: „Was machst du dann, wenn die Zeit tatsächlich geschränkt ist mit der Zeit, die dir noch bleibt?“

Durch dieses Erlebnis ist mir dann klar geworden, dass es nicht nur die Arbeit gibt, sondern dass verschiedene Bereiche zu einem guten Leben dazugehören. Und dass man ab einem gewissen Alter, nicht nur investieren darf, sondern man sollte seine Zeit weise verbringen. Weise heißt eben man sollte sich um seine Familie kümmern, man sollte sich um seine Freunde kümmern, man sollte natürlich auch der Arbeit die notwendige Aufmerksamkeit widmen und last but not least braucht man auch ein bisschen Zeit für sich selbst. Um nachzudenken, um zur Ruhe zu kommen, um zu genießen, sich zu erholen, was auch immer… All diese Dinge müssen in einem Vernünftigen Gleichgewicht sein, damit das Leben Spaß macht. Interessanterweise (und das war dann für mich auch nochmal verblüffend) ist es so, dass von meinem Umfeld das als äußerst angenehm empfunden wurde, weil ich nicht mehr ganz so verbissen bei den Dingen war, sondern eher vielleicht auch als Mensch sichtbar (ich glaub als Mensch war ich immer sichtbar). Das hat dann doch nochmal was mit mir gemacht. Vor allen Dingen, muss ich sagen, mein Leben ist jetzt so reich, wie ich es mir nicht mal erträumt hätte. Das ist eigentlich einer der positiven, vollkommen unerwarteten Erfahrungen nach diesem kleineren Unfall, der vielleicht spektakulär ausgesehen hat, aber dann in den persönlichen Folgen sehr, sehr positiv für mich war. Für mich ist die Erkenntnis, dass es in einem gewissen Lebensalter ist zu investieren, zu arbeiten, aber irgendwann kommt der Punkt, entweder schlagartig, oder langsam, wo man auch das Leben in seiner ganzen Fülle genießen sollte und annehmen sollte. Und das tue ich jetzt.

Wer hat Sie erleuchtet?

Ich glaube natürlich neben Menschen im persönlichen Umfeld, sind es zunächst mal akademische Lehrer gewesen, die für mich sehr wichtig waren. In meinem Studium war ich u.a. in Amerika und habe da einen akademischen Lehrer gehabt, Martin Gannon, der mich auch mit nach Hause genommen hat, der mir Amerika von Innen spürbar gemacht hat. Er war als Persönlichkeit sehr, sehr wichtig für mich. Es ist so, wenn man anfängt zu arbeiten, denkt man immer: “Boa, das ist so eine unglaubliche Persönlichkeit.” Im Laufe der Jahre stellt man fest, es wird überall mit Wasser gekocht. Es ist aber auch eine wichtige Erfahrung. Ich bin dann von der Hochschule in die Wirtschaft gegangen. Ich habe quasi für die Wirtschaft eine Institution mit aufbauen dürfen und habe dort einige, sehr erfolgreiche Spitzenmanager von Nahen kennenlernen dürfen. Sie waren auch unglaublich wichtig für mich, weil sie mir auf eine ganz andere Art verdeutlicht haben, wie man an Themen und Problemen herangeht. Eine Persönlichkeit war für mich ganz besonders wichtig. Das war der Berthold Leibinger. Er hat einen ganz interessanten Führungsansatz gehabt, ich habe nie mit ihm darüber gesprochen. Aber wenn man ihn beobachtet hat, hat er so eine antizyklische Führung gehabt. Wenn die Mitarbeiter in seinem Umfeld alle sehr aufgeregt waren (und sie waren meistens sehr aufgeregt, weil immer sehr viel zu tun war), sagte er: „Ganz ruhig bleiben. Das kriegen wir hin. Bloß keine Aufregung.“ Er war Schwabe, ich kann leider kein Schwäbisch. Aber wehe die Ruhe ist eingekehrt, dann hat er Gas gegeben, sehr richtig. Nie unangenehm, immer freundlich, immer wertschätzend, aber so, dass man gewusst hat, dass man sich in die Kurve legen muss. Das ist ein sehr interessanter Ansatz, dass man als Führungskraft in der Lage sein muss, nicht mit den Wölfen zu heulen, sondern das ganze im Gleichgewicht halten sollte. Summa summarum ist es so, dass alle Menschen einen auf irgendeine Weise beeinflussen, man kann von allen lernen. Wichtig ist, glaub ich, dass man sich nicht darauf kapriziert irgendjemanden kopieren zu müssen. Sondern man wird im Laufe der Zeit, aufgrund der vielfältigen Interaktionen, die man hat, die Erfahrung, die man hat, die Menschen, die man trifft, die Aufgaben, die man hat wird man sich selbst und man kann aus seiner Mitte heraus leben. Das ist ganz, ganz wichtig. Und dann geht’s einem gut.

Was gefällt Ihnen an erLEUCHTEnd erzählt?

Ich mache deswegen mit, weil erstens mal erzähl ich gerne. Das macht Spaß. Zweitens hat mich das persönliche Anschreiben war sehr gut, die Idee finde ich toll. Ich finde vor allen Dingen den Ansatz sehr, sehr interessant, dann man keine abstrakten Weisheiten von sich gibt, sondern das man einfache eine Geschichte erzählt, aus der dann jeder das herauslesen kann, oder herausnehmen kann, was er will. Und in diesem Sinne, macht es einfach total viel Spaß, wenn man bei diesem Spiel mitwirken kann.

Warum haben Sie sich für diese Lampe entschieden?

Sie sind rot angezogen, die Lampe ist rot. Blumen… Also erstens gibt es da eine Verbindung. Rot… als Blume hat etwas mit Emotion zu tun, natürlich. Rot hat etwas mit Menschlichkeit zu tun. Ich glaube diese Menschlichkeit, das ist etwas, dass uns anspricht. Es spricht nicht formale Autorität an, uns sprechen nicht trockene Konzepte an. Wirklich glücklich macht Geld auch nicht, sondern letztendlich muss das Gefühl passen und was gibt es besseres, als Blumen und dann noch in der Farbe rot.

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